Teegedanken

Queer Fiction: Kein Genre, kein Trend & erst recht kein Plot Device

Hier auf dem Blog ist zur Repr√§sentation von LGBTQ-Menschen in Literatur schon einiges zusammengekommen, aber leider sorgt das Thema im deutschsprachigen Raum immer wieder f√ľr Aufregung, aus allen Ecken: Die einen finden, man braucht √ľberhaupt keine Repr√§sentation, oder, dass die “Repr√§sentation” im Nischengenre Gay Romance ausreicht. Die anderen finden, es g√§be doch mittlerweile schon soooo viel “LGBTQ”-Literatur (nennen aber nur selten wirklich mal die ganzen B√ľcher, die sie angeblich kennen), wieso brauchen wir denn noch mehr?

In diesem Kontext bin ich vorgestern unverhofft mit einem Indie-Verleger “schwuler” B√ľcher aneinander geraten, der mir auf meinen Wunsch nach mehr Repr√§sentation f√ľr alle queeren Identit√§ten neben einigen unsachlichen Vorw√ľrfen und misogynen Beleidigungen auch eine Geisteshaltung entgegenbrachte, die anscheinend viele teilen: Es gibt doch sooo viele Gay Romances, wieso reicht das nicht?

Und an sich stimmt das ja auch: Es gibt unglaublich viele Romances, in denen schwule M√§nner die Hauptrollen spielen, ob von Self-Publisher.innen, aus Indie-Verlagen oder mittlerweile sogar aus Mainstreamverlagen, wenn auch seltener. Und es gibt so viele Menschen, die sich damit zufrieden geben wollen. Aber ich finde, das k√∂nnen wir nicht machen. Und heute m√∂chte ich dar√ľber schreiben, warum nicht.

KEINE NISCHE: WARUM GAY ROMANCE NICHT REICHT

Das erste Problem mit dieser Argumentation liegt eigentlich auf der Hand, scheint f√ľr viele aber nicht naheliegend zu sein, deshalb lasst es mich erkl√§ren: Liebesgeschichten √ľber schwule M√§nner repr√§sentieren nicht alle queeren Menschen. Sie repr√§sentieren schwule M√§nner – und das meist auch nicht ideal, denn oft ist Gay Romance von hetero Frauen f√ľr eben solche geschrieben, schwule M√§nner sind gar nicht die Zielgruppe.

Das soll nicht hei√üen, dass es im Genre keine guten Romane gibt. Es hei√üt aber sehr wohl, dass das Genre an sich einige Probleme mitbringt, da f√ľr viele Autor.innen Repr√§sentation einer Minderheit gar nicht das Ziel ist, sondern Unterhaltung von nicht Betroffenen. Ob man es guthei√üt, die Identit√§t einer marginalisierten Gruppe herzunehmen, um Leser.innen zu unterhalten, die ihr nicht angeh√∂ren, ist eine andere Frage, aber eines kann stehen bleiben: Gute Repr√§sentation ist das leider immer √∂fter nicht.

Und selbst, wenn jedes der Gay-Romance-B√ľcher ein Volltreffer f√ľr gut geschriebene, authentische Repr√§sentation schwuler M√§nner w√§re, es w√ľrde immer noch nicht reichen. Denn das Akronym LGBTQ besteht eben nicht nur aus dem G. Es schlie√üt, ebenso wie der umbrella term “queer”, dutzende Identit√§ten ein, von lesbischen Frauen √ľber bisexuelle Menschen √ľber die trans und nichtbin√§ren Communities, bis hin zu aro- und asexuellen Menschen und vielen mehr. Wo ist die Repr√§sentation f√ľr diese Menschen? Sie steckt selten in Gay-Romance-B√ľchern. (Manchmal schon, aber l√§ngst nicht oft genug.)

Wer glaubt, dass es reicht das G aus dem Akronym abzudecken, irrt sich, denn die Erfahrungen queerer Menschen sind nicht alle gleich und jede Gruppe bringt ihre eigenen Erlebnisse und Problematiken mit. Gay Romance an sich deckt am Ende auch nicht einmal das G (f√ľr “gay”, schwul) vollkommen ab, denn nicht jeder m√∂chte Romanzen lesen. Und die Reduzierung von “queer fiction” auf Romantik, Liebe, Sex ist sowieso durch und durch problematisch.

Nicht jede Geschichte mit queeren Held.innen muss sich um diese Themen, um Diskriminierung oder um √§hnliche Problematiken drehen. So entsteht am Ende eben die Nische. So kommt es, dass der Begriff “queer fiction” mit Erotik gleichgesetzt wird. Und diese Reduzierung, die auch abgrenzt (denn Gay Romance steht nicht dem Genre Hetero Romance gegen√ľber, sondern nur Romance. Das eine wird als normal angesehen, das andere muss abgegrenzt werden), ist problematisch.

NORMALISIERUNG STATT NISCHE

Queer Fiction sollte und muss die Existenz queerer Menschen in allen Lebenslagen normalisieren. Nicht nur als Hauptsujet im von “normaler” Romance abgegrenztem Erotikgenre. Sexualit√§t, besonders marginalisierte Sexualit√§t, pr√§gt und beeinflusst das eigene Leben. Doch queere Menschen sind trotzdem am Ende normale Menschen – und es ist ein Armutszeugnis, das im Jahr 2019 noch so plump ausschreiben zu m√ľssen. Sie haben Berufe, Familien, Freunde, Probleme abseits von Diskriminierung. Sie sollten als die normalen Mitglieder unserer Gesellschaft betrachtet werden, die sie sind.

Das werden sie jedoch nicht. Sie werden ausgegrenzt, auf bestimmte Stereotype reduziert und marginalisiert. Die Normalisierung queerer Figuren in Romanen – allen Romanen, vom Thriller zur Familiensaga – w√ľrde schon viel helfen, was das angeht. Denn nicht nur w√ľrde es repr√§sentieren, es w√ľrde auch cis, hetero Leser.innen zwingen, den Horizont zu erweitern und Vorurteile abzubauen.

“Queer Fiction” als Nischengenre zu betrachten, an dem nur queere Menschen und ein paar hetero Frauen Freude finden k√∂nnen, ist problematisch. “Queer Fiction” mit Gay Romance gleichzusetzen, von vorn herein in die Erotikecke zu schieben und queere Menschen auf etwas rein Sexuelles, Verruchtes zu reduzieren, ist es allemal. Queere Literatur als Nische zu behandeln, die nicht f√ľr “ottonormal” Leser.innen ist, ist Ausgrenzung in Reinform. “Wir”, die “Normalen”, die “Mehrheit”, und die “Anderen”, die wir nur gerade so in unserer Mitte akzeptieren, aber nicht in unseren B√ľcherregalen, Filmen, Serien. Es ist bequem, das, was man f√ľr anders h√§lt, auf diese Weise aus dem eigenen Leben fernzuhalten.

Am Ende ist es aber eben Queerfeindlichkeit, ein Buch nicht lesen zu wollen, weil es um queere Figuren geht. Leider sind alle Gr√ľnde und Entschuldigungen, die vorgeschoben werden, eben nur das: Vorgeschoben. Denn das Ablehnen von Geschichten, die von Menschen handeln, die nicht so sind wie man selbst und zudem unterdr√ľckt werden, geschieht nie wegen “Geschmack”.

Argumente wie “Ich kann damit halt nichts anfangen”, “Das betrifft mich aber nicht” oder sogar “Es ist gut, dass es das gibt, aber deshalb muss ich es ja nicht lesen” sind queerfeindlich, meist sicherlich unterbewusst so, aber eben doch queerfeindlich, denn der Grund, wegen dem ein Buch nicht gelesen wird, das einen ansonsten interessiert h√§tte, ist die Queerness seiner Figuren. Die allermeisten queeren Leser.innen sagen schlie√ülich auch nicht: “Also das lese ich nicht, das handelt von cis/hetero Menschen”. Das sind Ber√ľhrungs√§ngste, die l√§ngst nicht mehr so weit verbreitet sind, wie noch vor ein paar Jahren, doch sie sind immer noch da.

KEIN TREND: HERE, QUEER & ASKING FOR REPRESENTATION

Vor einigen Tagen fragte die Youtuberin Lindsay Ellis auf Twitter, ob man Romane mit queeren Figuren, die sich aber nicht um die Sexualit√§t der Figuren drehen, √ľberhaupt als Queer Fiction bezeichnen sollte. Ich sage: Unbedingt. Denn genau solche Romane normalisieren Queerness im allt√§glichen Leben und sie aus dem Kanon “queer fiction” auszuschlie√üen, weil sie sich einmal nicht explizit um Diskriminierung, Auseinandersetzung mit der eigenen Sexualit√§t oder eine Romanze (alles wichtige Themen, aber nicht jedes Buch mit queeren Figuren muss ausschlie√ülich von ihnen handeln) drehen, w√§re fatal, denn genau das brauchen wir:

Romane √ľber queere Menschen, die ihrem Beruf nachgehen, sich verlieben und ihr Leben leben, ohne, dass jeder Schritt auf ihre Queerness reduziert wird. Romane √ľber queere Held.innen in Fantasywelten, Ermittler.innen in Krimis, gl√ľcklich werdende Menschen in historischen Romanen, die nicht an ihrer Queerness und der Ablehnung der Gesellschaft zerbrechen.

Aber bitte nicht heteronormativ, denn queere Figuren in die Schablone “Guck, er benimmt sich, als w√§re er hetero, deshalb ist er okay” zu pressen ist nat√ľrlich auch keine L√∂sung. Die L√∂sung ist, queere Kultur und queere Sexualit√§t nicht als befremdlich und “anders” zu pr√§sentieren, sondern als positiv und, ja, normal eben. Es ist eigentlich ganz einfach: Wir m√ľssen aufh√∂ren queere Figuren auf ihre Queerness zu reduzieren, aber wir d√ľrfen queere Figuren auch nicht in heteronormative Ideale zwingen.

Das gelingt aber nicht, wenn “Queer Fiction” zum Genre wird, das man auf alle Romane mit queeren Figuren b√§ppen kann, egal, worum es eigentlich geht. Denn die Identit√§t queerer Menschen ist kein Genre. Und ihre Repr√§sentation ist auch kein Trend, auch, wenn man immer wieder h√∂rt, wie Menschen die wachsenden Zahlen an inklusiven Romanen so betiteln. Diversity und Inklusion im Roman sind nicht einfach so passiert: Sie sind das Ergebnis der harten Arbeit von Aktivist.innen, wie zum Beispiel den Bewegungen We Need Diverse Books oder #OwnVoices. Sie sind aber auch das Ergebnis aller (queeren) Autor.innen, die seit Jahren queer schreiben und deren Romane im Mainstream untergingen oder gar nicht erst verlegt wurden.

Repr√§sentation ist wichtig, denn sieht man sich in den B√ľchern, die man liest, niemals abgebildet oder nur negativ gezeigt, f√ľhlt man sich einsam, unverstanden und allein. Und das ist etwas, das viele cis, hetero Menschen niemals werden nachvollziehen k√∂nnen, denn sie sehen Menschen mit ihrer Sexualit√§t und Genderidentit√§t ja in jedem Roman repr√§sentiert, sie k√∂nnen nicht nachf√ľhlen, was es bedeutet, dieses wertvolle Privileg nicht zu haben.

Deshalb ist es ein Unding, Repr√§sentation und Inklusion als einen Trend zu bezeichnen, der kommt und wieder gehen wird. Die Existenz echter, marginalisierter Menschen ist kein Trend. Ihre Inklusion in unserer Literatur ist weder gerade in, noch ist sie das hippe, neue Ding nach Vampiren und Dystopien. Sie ist ein √ľberf√§lliger Schritt in Richtung einer inklusiven Zukunft, in der queere Menschen nicht mehr unsichtbar gemacht und ausgegrenzt werden. Deshalb reicht es nicht, queere Figuren als Gay Romance und Erotik in die Nische zu dr√§ngen. Queere Figuren geh√∂ren als Hauptfiguren in alle Arten von Romanen, auch von Mainstreamverlagen, die deutlich mehr Reichweite haben, als Indie-Verlage und Self-Publisher.

Und genau deshalb ist es auch wichtig, queer fiction trotzdem als solche zu benennen. Nicht als Genre, sondern als Marker und Orientierungshilfe – f√ľr die, die verzweifelt nach Repr√§sentation suchen. Denn selbst wenn es eine queere Geschichte mal in einen Mainstreamverlag schafft, das Marketing ist oft vage und katastrophal: Darum, dass das Love Interest vielleicht dasselbe Geschlecht hat, wie die Hauptfigur wird im Klappentext herumgeredet, um ja keine nicht queeren Leser.innen zu verschrecken (die dann am Ende manchmal noch queerfeindliche Rezensionen schreiben, wenn sie damit √ľberrascht werden).

KEINE B√ĖSEWICHTE: WIESO ES EGAL IST, WIE VIELE MENSCHEN IN DEUTSCHLAND QUEER SIND

Das sorgt daf√ľr, dass queere Leser.innen (und Allies, also nicht queere Menschen, die sich ebenfalls f√ľr mehr Repr√§sentation einsetzen) diese B√ľcher nicht finden k√∂nnen. Und das wiederum sorgt daf√ľr, dass Verlage das Argument “Es gibt keine Nachfrage, diese B√ľcher werden nicht gekauft und es gibt so viele schlechte Rezensionen” anbringen. Es ist ein Teufelskreis und es ist unfair, denn ein Buch, von dem ich nicht wei√ü, dass es queere Figuren hat, kann ich nicht lesen und weiterempfehlen. Nat√ľrlich kann keine Nachfrage generiert werden, wenn queere Romane so vermarktet werden, dass √ľberhaupt niemand mitbekommt, dass sie queere Romane sind.

Und, dass die Nachrage nicht so gering ist, wie gern behauptet wird, ist auch lang kein Geheimnis mehr. Queere Menschen und Allies verlangen seit Jahren nach mehr Inklusion im Roman. Gestern brachte jemand in diesem Zusammenhang das Argument an, dass doch nur ein Bruchteil der Menschen in Deutschland queer w√§ren und ob man da wirklich so viel Repr√§sentation br√§uchte. Aber ich denke, dass die Dunkelziffer deutlich h√∂her ist, als die gern erw√§hnten 7% – Denn Menschen, die sich nicht outen wollen oder die queer sind, es sich aber noch nicht eingestehen k√∂nnen (oder auf eine Art queer sind, nach der √ľberhaupt nicht gefragt wird), werden √ľberhaupt nicht ber√ľcksichtigt.

In den USA identifizieren sich mittlerweile nur noch knapp 50% aller Menschen zwischen 13 und 20 als cis und hetero. Diese Zahl steigt nicht umsonst mit jeder Umfrage, die gemacht wird, besonders in den letzten Jahren. Nicht, weil es pl√∂tzlich mehr queere Menschen g√§be, oder weil es jetzt “in” w√§re, queer zu sein, sondern, weil es leichter wird, zu erkennen, das man queer ist und auch eher akzeptiert wird – unter anderem auch durch Repr√§sentation. Unsere westliche Gesellschaft befindet sich im Wandel und obwohl Diskriminierung und Marginalisierung noch immer ernste Probleme sind, machen wir gro√üe Fortschritte.

Dazu geh√∂rt, dass Menschen, die nie auf die Idee gekommen sind, dass sie queer sind und unter dieser Unwissenheit auch gelitten haben, durch gr√∂√üere Sichtbarkeit erkennen, dass sie LGBTQ sind. Sieht man sich repr√§sentiert, f√§llt einem die Erkenntnis “Hey, das ist ja wie bei mir!” leichter und danach kommt: “Es ist okay, so zu sein, wie ich.” F√ľr diese Menschen brauchen wir Repr√§sentation, aber auch f√ľr nicht queere Menschen, die lernen m√ľssen, auch B√ľcher zu lesen, in denen nicht Figuren wie sie selbst im Mittelpunkt stehen – genau das wurde von marginalisierten Leser.innen schlie√ülich seit jeher erwartet.

Es geht nicht darum, einen Prozentsatz durchzusetzen, Marke “Es gibt 7% queere Menschen in Deutschland, also reicht es, wenn in 7% aller B√ľcher mal eine queere Person auftaucht”. Wenn wir schon so rechnen wollten, was wir eigentlich nicht wollen, sollte doch eigentlich in jedem Roman, der eine normale Castgr√∂√üe von ca. 15 Figuren hat, mindestens eine queere Person auftauchen, oder? Das w√§re dann nur die logische Schlussfolgerung, aber das finden die Leute dann wieder zu √ľbertrieben. Darum geht es bei Repr√§sentation aber gar nicht – mal davon abgesehen, dass die 7% eben kaum haltbar sind, weil sie eine gro√üe Gruppe queerer Menschen gar nicht einschlie√üen.

Es geht darum, Geschichten √ľber alle Menschen zu erz√§hlen, in allen Genres, denn jeder hat es verdient, sich selbst in Geschichten positiv widergespiegelt zu sehen. Und wir leben in einer Gesellschaft, die queere Menschen jahrzehntelang wenn √ľberhaupt als verdorbene B√∂sewichte dargestellt hat, die es verdienen zu sterben (dazu bitte unbedingt den Mary-Sue-Artikel lesen, den ich unten verlinkt habe). Wir fangen also gar nicht bei Null an, was positive und normalisierende Repr√§sentation angeht. Wir m√ľssen wett machen, was Hollywood und auch Romanautor.innen seit ca. 90 Jahren durch Filme, Serien und Romane an Vorurteilen, negativen Darstellungen und vor allem auch toten LGBTQ-Figuren angeh√§uft haben.

KEIN PLOT DEVICE & KEINE LEHRSTUNDE: NICHT JEDE REPR√ĄSENTATION IST AUCH GUT

Allerdings gibt es gute Repr√§sentation und es gibt schlechte. Gute Repr√§sentation normalisiert und bietet Identifizierungsm√∂glichkeiten f√ľr queere Leser.innen. Gute Repr√§sentation hilft nicht queeren Leser.innen zu verstehen, nachzuvollziehen und ihren Horizont zu erweitern. Schlechte Repr√§sentation marginalisiert jedoch nur weiter: Sie grenzt aus, unterst√ľtzt sch√§dliche Stereotypen und verfestigt Vorurteile in den K√∂pfen der Leser.innen.

Schlechte Repr√§sentation normalisiert nicht, sie “othered” – Das bedeutet, dass sie Queerness als etwas anderes als “normal” darstellt, im schlimmsten Fall eben erneut reduziert auf den erotischen Teil oder auf sch√§dliche Vorurteile (zum Beispiel das “Predatory/Psycho Lesbian” Trope, bei dem lesbische Frauen und andere Frauen, die sich in Frauen verlieben, als √ľbergriffig, Stalker.innen und “verr√ľckt” dargestellt werden, die besonders oft hetero Frauen nachstellen und sie bel√§stigen).

Ein Problem sind diese Tropes, besonders auch das “Bury Your Gays” Trope, bei dem queere Figuren, meist sinnlos, umgebracht werden – erinnert euch an Lexa aus “The 100” oder auch Tara aus “Buffy” – solang es so wenig Repr√§sentation gibt. Wenn von 20 Figuren nur eine queer ist und ausgerechnet diese Figur stirbt oder ist negativ dargestellt, ist das ein Problem. Wenn das in dutzenden Romanen, Filmen und Serien so ist, erst recht, denn da zeichnen sich gesellschaftliche Muster ab, die uns zu denken geben sollten.

Ein weiteres Problem ist es, Queerness als Spoiler oder Plot Device zu nutzen.¬† Das ist keine gute Repr√§sentation, denn ich kann mich nicht gesehen, verstanden und vor allem repr√§sentiert f√ľhlen, wenn ich erst auf den letzten Seiten erfahre, dass die Figur queer ist. Dar√ľber hinaus ist es auch “Othering” die Queerness einer Person als gro√ües, oft verruchtes Geheimnis herzunehmen, anstatt sie zu normalisieren. √Ąhnlich ist es mit der Reduzierung queerer Figuren auf ihre Diskriminierung, denn f√ľr queere Leser.innen liest sich das, als w√§re das Buch √ľberhaupt nicht f√ľr sie gedacht, sondern f√ľr cis, hetero Leser.innen, die sich am Leid und an der Diskriminierung sozusagen hochziehen.

Queere Figuren sollten nicht nur als Lektion und Inspiration f√ľr nicht queere Leser.innen herhalten m√ľssen. Queere Figuren, mit denen queere Leser.innen nicht viel anfangen k√∂nnen oder die sie am Ende noch negativ beeinflussen, sind ein gro√ües Problem. Sie sind auch ein Problem, weil sie Vorurteile, die nicht queere Leser.innen vielleicht bereits im Kopf haben, noch verfestigen und somit f√ľr sehr reale Diskriminierung im wahren Leben sorgen k√∂nnen – ob bewusst oder ungewollt.

EIN SCHLUSSWORT

Was jetzt mitnehmen aus der Debatte auf Twitter der letzten Tage, aus diesem Post und vor allem aus Jahren, in denen queere Aktivist.innen und Allies f√ľr mehr Repr√§sentation einstehen und immer wieder abgeschmettert werden? Ich hoffe, ich konnte verst√§ndlich machen, warum queere Repr√§sentation wichtig ist, warum sie kein Nischengenre bleiben sollte und warum es hochgradig problematisch ist, sie auf ein reines Erotikgenre f√ľr eine Handvoll Leser.innen zu reduzieren, das alle anderen nicht zu interessieren braucht.

Repr√§sentation in Romanen aller Genres und besonders in gro√üen Mainstreamverlagen ist nicht nur wegen der Reichweite wichtig, sondern auch, weil es endlich die Gleichstellung bedeuten w√ľrde, die l√§ngst √ľberf√§llig ist: Nicht nur cis, hetero Menschen haben es verdient, in allen m√∂glichen Romanen Held.innen zu sein. Doch sie sind bisher die einzigen, die es sein d√ľrfen. Die Identit√§t echter Menschen ist niemals ein Genre, ein Trend oder eine Nische und sie geht uns alle etwas an.

Wir k√∂nnen nicht nur √ľber Menschen lesen, die wie wir selbst sind und, dass es immer noch Leser.innen gibt, die es schon okay finden, dass nur ein Anteil aller Menschen, n√§mlich solche, die nicht nur cis, hetero sind, sondern auch wei√ü, nicht k√∂rperlich beeintr√§chtigt, und keine psychischen Probleme haben, repr√§sentiert wird, und alles andere gef√§lligst nur in der Nische stattfindet, ist traurig. Wenn wir uns damit zufrieden geben, nur in der Nische repr√§sentiert zu werden, geben wir uns auch ein St√ľck weit damit zufrieden, aus unserer Gesellschaft ausgeschlossen zu werden. Denn das Abgrenzen und Unsichtbarmachen, das auf dem Literaturmarkt im Kleinen passiert, passiert eben auch innerhalb unserer Gesellschaft im Gro√üen.

Wir m√ľssen Vorurteile und falsche Ideen dessen, was queer sein bedeutet, abbauen und wir m√ľssen das im Mainstream tun, nicht nur auf der Seitenlinie, wo der Gro√üteil der nicht queeren Leser.innen einfach an uns vorbeirauscht, ohne auch nur mal aus dem Fenster zu sehen. Normalisierung ohne Sichtbarkeit funktioniert nicht. Und Medien wie Romane, Filme, Serien, oder auch Videospiele, sind ein wichtiges Werkzeug, denn die Medien, die Menschen konsumieren, beeinflussen sie sehr viel mehr, als man meinen mag.


Mehr zum Thema hier bei mir:

Das Gay-for-You-Trope: Wenn queere Repräsentation scheitert

Own Voices: Die Debatte um die eigene Stimme

Acing Literature: Young Adult, Asexualität & wie wir mit ihr umgehen

Wo sind eigentlich die queeren Mädchen?


Weitere Artikel:

Alpakawolken | LGBTQ* ist kein Genre!

RikeRandom | Queere Medien: Why Representation Matters And What It Means to Me

Fried Phoenix | Homosexualität in Videospielen (Video)

Feminist Frequency | Looking for Love from Fallout to Dream Daddy – Queer Tropes in Video Games (Video)

GLAAD | Der Vito Russo Test РSchreibe ich gute oder schlechte Repräsentation?

The Mary Sue | What Led to Lexa: A Look at the History of Media Burying its Gays


Beitragsbild: Brooke Lark, via Unsplash

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3 Comments

  • Reply Sookie Hell

    Vielen, vielen Dank f√ľr diesen Artikel! “Repr√§sentation ist wichtig, denn sieht man sich in den B√ľchern, die man liest, niemals abgebildet oder nur negativ gezeigt, f√ľhlt man sich einsam, unverstanden und allein.” Aus genau diesem Gedanken heraus betreibe ich als Autorin ein polyamores Storytelling-Projekt und blogge zurzeit meine Romane, damit Menschen, die nicht mono-normativ f√ľhlen, sich repr√§sentiert f√ľhlen. Und damit Menschen, die “polyphob” sind, √Ąngste abbauen k√∂nnen, weil sie polyamore, pansexuelle, asexuelle Menschen und Beziehungsanarchisten als Figuren in einem vielf√§ltigen Kontext erleben k√∂nnen, in dem es doch eigentlich nur um das ganz normale Leben geht.
    Und jetzt meine Frage: Darf ich den oben zitierten Satz f√ľr meine Startseite verwenden? Selbstverst√§ndlich mit Quellenangabe und Link! Ich finde ihn nur so treffend und wichtig, ich hab mich richtig in diesen Satz verliebt!

    Liebe Gr√ľ√üe und lasst uns Z√§une einrei√üen,
    Sookie

    8. März 2019 at 21:43
    • Reply Katriona

      Hi Sookie! Vielen Dank. Dein Projekt klingt wirklich sehr interessant, viel Erfolg damit! Den Satz kannst du gern nutzen, als Quellenangabe w√ľrde “Katriona” plus Link reichen. Und ich f√ľhle mich nat√ľrlich sehr geehrt, danke sch√∂n.

      lG,

      Kat

      10. März 2019 at 11:25
  • Reply Queere Medien: Why representation matters and what it means to me | RikeRandom

    […] Seiten | Queer Fiction: Kein Genre, kein Trend & erst recht kein Plot DeviceAlpakawolken | LGBTQ* ist kein Genre!B√ľchnerwald | Wenn Heteros √ľber Homos […]

    26. März 2019 at 20:18
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